
Was bislang ein 'No Go' für Weinliebhaber war wird in den USA immer mehr ein Trend. Guter bis gehobener Wein im TetraPak von Designern. Praktisch und chic? Immer öfters wird nach alternativen Verpackungsformen für Altbewährtes gesucht. Sei es, um einfach nur der Korkproblematik entgegen zu treten oder um im Weinregal aufzufallen. Was mit Champagner in Kleinflaschen und Strohhalm kultig seinen Anfang gefunden hat, durch den schlanken Dosenkult, wahrscheinlich einhergehend mit dem weltweiten Siegeszug von Red Bull, weitergeführt wurde, findet jetzt natürlich auch seine Ausprägungen in einem riesigen Segment - alles rund um den Wein. Prosecco und Spritzer in Dosen werden wohl noch lange nicht die einzigen kuriosen Versuche bleiben, die In-Crowd in die Irre zu führen.
Bereits vor 2003 begann 'Three Thieves', die Firma der US-Winzer Joel Gott und Charles Bieler, einen durchaus guten Zinfandel im Krug mit Schraubverschluss anzubieten. Ein erster Schritt um den unangenehmen Korken abzulösen. Die Alternativen wie Plastik oder Glas sind ja auch schon einige Jahre im Einsatz. Das Experiment mit dem Schraubverschluss gelang und man setzte den nächsten Schritt. Wein im 'Design-Karton'. Und auch der verkauft sich prächtig. Für die 'drei Diebe', die sich auf ihren Produkten im Banditendesign verewigen und als 'liberators of fine wine' (Befreier des edlen Weines) bezeichnen, war das Experiment ein voller Erfolg: Schon im ersten Jahr gingen 50.000 Kisten weg, heute ist Three Thieves ein Multimillionen-Dollar-Unternehmen.
DTOUR, eine Kollaboration zwischen einem Gourmetkoch und Weinimporteur aus New York und dem Starwinzer Dominique Lafon aus Burgund, wiederum füllt seinen Wein in Plastikbeutel. In einem attraktiven Kartonzylinder befindet sich der Dreiliter-Beutel - der Preis ab 37 Dollar. Eingeschenkt wird via Zapfhahn. Weil es dadurch keine Luftzufuhr gibt, ist der geöffnete Wein bis zu sechs Wochen haltbar - bei Flaschenwein undenkbar. Durch das geringe Verpackungsgewicht und die Größe sind die Weine ideal für Grillfeste, Partys und ähnliche Veranstaltungen.
Boisset, einer der großen Namen im Burgund, hat im vergangenen Jahr mit French Rabbit einen vin du pays d'Oc im verspielten Tetra-Pak-Design auf den nordamerikanischen, britischen, irischen und dänischen Markt gebracht. Nun soll das 'französische Kaninchen‘ auch auf japanischem und deutschem Boden grasen. Ob der Wein es auch bis Österreich schafft steht noch in den Sternen. Der burgundische Anbieter setzt dabei mit TetraPak auf eine Verpackungsart, die bislang dem Billigsortiment vorbehalten war. Das Design ist aber durchaus vielversprechend und unseres Wissens das interessantestes im ganzen Umfeld, wenn es dann schon Wein aus dem Packerl sein soll.
Auf der TetraPak Seite wird über diese Verpackungsform natürlich in den besten Tönen geschrieben und eine Menge plausibler Argumente angeführt. No na!
Bleibt also im Endeffekt abzuwarten, ob uns künftig mehr davon ins Haus steht. An den Drehverschluss haben wir uns ja mittlerweile auch gewöhnt und möchten ihn und eigentlich bei vielen Weinen gar nicht mehr wegdenken. Wenn erst mal wirklich angesehene Winzer nicht nur Designerweine in solche Kartons packen sondern ihre Klassiker, dann beginnt vielleicht ein Umdenkprozess. Ob dieser allerdings notwenig ist - keine Ahnung. Was meint ihr?
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